1996/06: Von München nach Tarifa über den Mulhacen Pass im Mercedes LA 710

Auf dem Weg von München nach Tarifa über den Mulhacen Pass in Spanien. Und das war nicht die einzigste Hürde, die wir nehmen mussten.

Es war April 1995, als ich mein erstes Fernreisemobil kaufte: ein Mercedes LA 710, Ex Katastrophenschutz Fahrzeug bei einem Händler in unserem Landkreis namens Allrad Ruhland. Ich kaufte mir bei ihm zusätzlich noch vernünftige Einzelbereifung mit Nato Profil. Walter Ruhland war weit über unseren Landkreis Fürstenfeldbruck, westlich von München, hinaus bekannt als „der“ Hanomag AL28 Händler.

Im Mai 1996 hatten ein Freund, der einen baugleichen Mercedes damals hatte, und ich vor, nach Marokko aufzubrechen. Wohin genau? Egal, Hauptsache Wüste.

Mein Freund fuhr damals ca. 4 Wochen vor Abfahrt noch nach Frankfurt am Main, um sich einen größeren Dieseltank bauen zu lassen. Eine fatale Idee: er hatte zwar den Tank und mehr Sprit, aber auf dem Rückweg auch einen Motorschaden. Und mit unseren damaligen finanziellen Mitteln keine Chance auf einen Ersatzmotor.

Somit wurde aus dem geplanten Wüstentrip nichts und meine Freundin und ich entschieden uns, nach Tarifa zu fahren. Wir waren damit zumindest in der Nähe von Afrika.

Auf dem Weg dorthin im Juni 1996 wollte ich unbedingt noch einen Zwischenstop in Leucate, Südfrankreich, einlegen um mich schonmal auf das Surferparadies Tarifa einzustellen. Leucate ist ansich eine wahre Perle für Surfer. Auf der einen Seite der Straße Flachwasser mit max. 50cm Tiefe und auf der anderen Seite Brandung. Mich zog es erst mal auf’s Flachwesser zum Heizen. Leider gab es durch die fehlende Strömung viel Seegras und zusätzlich viele Miesmuschel-Bänke – ersteres löste einen Sturz aus und letzteres kostete mich beim Sturz die Sehne meines großen Zeh am linken Fuß.

Nach einem längeren Aufenthalt im Krankenhaus von Narbonne sind wir dann mit verbundenem Fuß weiter Richtung Barcelona, um einen Platz für ein paar Tage Ruhe zu finden. Dann konnte die frisch genähte Wunde auch ein wenig heilen. Schließlich wollte ich meinen Plan nicht verwerfen und in Tarifa wieder auf’s Wasser.

Da man nicht gewillt war, mir im Krankenhaus Krücken mitzugeben mussten wir am Tag darauf erstmal eine Gehhilfe für mich besorgen.

 

Mit einem Schuh auf dem Kupplungspedal konnte ich zumindest kuppeln und den Rundhauber konnte man eh einigermaßen schaltfaul fahren. Am Abend haben wir nach mehreren Anläufen dann endlich einen Campingplatz gefunden wo man uns a) aufnahm und b) der Benz auch reinpasste.

Beim rangieren in unseren viel zu kleinen Stellplatz rutschte ich noch vom Kupplungspedal im Vorwärtsgang ab und verbog leicht das Vorzelt samt Campingmöbel eines gegenüberliegenden Campers. Der Besitzer kam mit hochrotem Kopf – ich schob das zuerst auf einen Sonnenbrand – aus seinem Fahrzeug und beschimpfte uns übelst. Der Monolog des Kölner Kollegen endete, als ich mitsamt Krücken aus dem Fahrzeug kletterte. Er hielt mitten im Satz an, verschwand in seinem Wohnmobil und kam mit 3 Kölsch wieder. 2 Stunden und etliche Kölsch später spührte ich meinen Fuß nicht mehr und wir waren die dicksten Freunde.

 

Bei der Anfahrt zum Mulhacen Pass hatten wir leider einen Platten. Reifenwechsel bei 39 Grad mit kaputtem Fuß macht eher wenig Freude und einen Schlagschrauber mit Akku gabe es damals nicht, zumindest nicht für mich.

Vom Mulhacen Pass haben wir leider keine Fotos, da wir vergessen hatten, einen Film zu kaufen. Es war atemberaubend, ca. 4h bergauf inklusive Felsbrocken wegschleppen etc. und verfahren war alles dabei. Kurz unterhalb des Gipfels ging es nicht mehr weiter. Eine Schneewehe versperrte uns den Weg und mit dem vorhandenen Klappspaten wären wir bis Weihnachten beschäftigt gewesen – vorrausgesetzt, es schneite bis dahin nicht weiter. Wir schnappten uns also eine Flasche Rotwein und 2 Gläser und setzten uns an einen kleinen Bergsee nahe unseres Autos. Und nach ca. 30 Minuten wechselten unsere Ohren vom Modus „Pfeifen“ in den Normalzustand. Wir hörten, wie ein großer Greifvogel über das Wasser flog. Angefangen vom Flügelschlagen bis zum leisen Zischen, wenn er im Gleitflug war. Unglaublich dieser Moment, Gänsehaut.

Am Nächsten morgen ging es wieder runter und weiter. Wir fanden unterwegs noch wunderschöne Stellplätze, an denen wir mehrere Tage verbrachten. Zu allem Überfluss stieg meine Freundin dann an einem dieser Stellplätze noch im Wasser in einen Seeigel. Ergebnis: 2 Fußkranke. Der Einzigste, der gesund war, war mein Hund. Aber egal, immer weiter Richtung Süden.

Nach tagelanger Fahrt an der Küste entlang kamen wir dann an: Tarifa, Surfers‘ Paradise. Nachdem ich noch die üblen Erfahrungen vom Krankenhaus Narbonne bestens in Erinnerung hatte beschloss ich, die Fäden am Fuß selber zu ziehen. Alles war gut verheilt und die Fäden nun schon 2 Wochen drin.

Ab da konnte der Spaß beginnen und wir hatten viel Spaß.

 

 

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